Auf Verbrecherjagd
Bereits am Freitag vor einer Woche wurde ich mal wieder Opfer eines Taschendiebs. Ich weiß auch nicht, warum ich diese Typen scheinbar anziehe. Es ereignete sich wie folgt: Wir waren nach einem netten Abend in einer Kneipe auf dem Weg zur Bahn als plötzlich ein Typ auf uns zukam und uns allesamt High-Five-mäßig abklatschte. Da ich rechts außen lief und er offenbar mein Telefon in der rechten Hosentasche erspäht hatte, fiel das Abklatschen mit mir besonders üppig aus. Da ich ja aber aufgrund der Vorfälle vor einem Jahr scheinbar für diese Situationen nun ein Gespür habe (und trotzdem noch so nett bin, mit dem Typen abzuklatschen…), merkte ich, dass der Typ mir wieselflink in die Tasche griff. Ein kurzer Kontrollgriff und schon drehte ich mich um und legte einen Sprint hin, wie ich ihn seit der C-Jugend nicht mehr hinbekommen haben dürfte (Danke Dirk für die vielen Einheiten „Teufelsleiter“!). Beflügelt vom Turboboost Adrenalin holte ich den jungen, drahtigen (das muss natürlich erwähnt werden!) Kerl ein – und musste erstmal überlegen, wie ich ihn denn nun am besten stoppen könnte. „Einfach in die Hacken treten – wie damals beim Dana-Cup 94 als ich meine erste gelbe Karte bekam!“, dachte ich mir. Gesagt, getan. Allerdings kam der Bengel nur ins Straucheln und lief weiter in die Straße, in der die Bar lag, aus der wir kamen. In dem Moment kam mir zu Gute, dass ich, im Gegensatz zu ihm, bereits wusste, dass um die Ecke die Türsteher standen, um eine Person festzuhalten, die in eine Schlägerei verwickelt war. Während der Bursche ausweichen musste, nutzte ich die Gelegenheit und setzte zu einer – dieses mal absolut rotwürdigen – Blutgrätsche inklusive Trikotzupfer an. Und wenn ich eines über die Jahre meiner absolut erfolglosen Fußballkarriere verbessern konnte, so waren es die Grätschen: Volltreffer! Die Türsteher guckten erstmal etwas verdutzt, ehe sie nach Zurufen meiner kurz hinter mir einsprintenden Begleiter, den Dieb festhielten. Ich musste – trotz meines guten Trainingszustandes – kurz noch nach Luft schnappen… Nachdem er sich etwas gewehrt hatte, bekam der junge Herr nun auch noch Handschellen angelegt, bis dann endlich die Polizei eintraf – und mir nach Zeugenaussage usw. meinen Kram wiedergab. Und was bleibt: eine klassische Grätsch-Schürfwunde an der Hüfte, die Gewissheit nie mehr mit Fremden abzuklatschen und ein lustiges Schreiben der Polizei, in dem ich die Geschichte noch mal schwarz auf weiß habe. Der Übeltäter hatte übrigens noch zwei Handys mehr sowie illegale Substanzen dabei. Über einen Anruf von Königin Silvia zum Dank habe ich bisher allerdings vergeblich gewartet 😉